“Ideenwerkstatt”, “Innen statt außen”, Arbeitskreise, Klausursitzungen, Exkursionen und Strategiegruppe – die Bodenmaiser haben in letzter Zeit einiges angeschoben, um die Ortsentwicklung voranzutreiben. Der Schwerpunkt liegt auf dem Marktplatz und seinem engeren Umfeld, hier sieht man den größten Handlungsbedarf. Dieser Schwerpunkt war eines der Ergebnisse der “Ideenwerkstatt” des Büros nonconform, aus deren Bürger-Anregungen die grobe Zielrichtung hervorgegangen ist. Die Strategiegruppe “Marktplatz” mit rund einem Dutzend Akteuren will jetzt sichtbare Ergebnisse schaffen. Vertreter aller Fraktionen des Marktgemeinderates ebenso wie Bürger sind darin aktiv. “Dass noch mehr Bürger sich für unsere Arbeit interessieren und auch mitmachen, das ist uns in zweifacher Hinsicht wichtig”, erklärt Marktrat Stefan Tremml, “sie sollen Ideengeber und zugleich Sprachrohr sein.”

Der Bodenmaiser Marktplatz als Wochenmarkt-Platz: Mit dieser Neuerung hat die Strategiegruppe einen ersten Pflock gesetzt, um der historischen Ortsmitte wieder mehr Leben einzuflößen. Bereits beschlossen ist, dass auch die Tourist-Info hierher umziehen soll.

Gemeinde muss den ersten Schritt tun. Es soll nicht der Eindruck entstehen, Marktrat und Bürgermeister bestimmten im Rathaus allein, wie es mit der Ortsentwicklung weitergeht. Und das scheint zu gelingen, Ruth Biendl-Weikl, Geschäftsfrau und Anwohnerin am Marktplatz, macht auch deshalb mit, “weil hier Parteipolitik keine Rolle spielt”, wie sie sagt.

Aus der bisherigen Arbeit und nicht zuletzt aus dem Besuch in vier Modell-Gemeinden, unter anderem in Österreich, hat die Strategiegruppe einen klaren Schluss gezogen. “In Ortszentren, die von Verödung bedroht sind, muss die Gemeinde den ersten Schritt tun”, sagt Karl Kollmaier, Leiter Infrastruktur in der Marktverwaltung und in der Strategiegruppe engagiert. Er formuliert es provokant: “Unser Marktplatz liegt am Ortsrand, das schafft Probleme.” Vor allem das Problem, dass Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomie und andere “Frequenzbringer” zur Bahnhofstraße abgewandert sind. Die Folge: Zahlreiche leerstehende Geschäfte, Gebäude sind in schlechtem Zustand, die – oft auswärts lebenden – Eigentümer haben wenig Anreiz zum Investieren. “Wenn einen schon die Urlaubsgäste ansprechen, ist einem klar: Wir müssen wieder etwas zum Marktplatz zurückholen”, sagt Markträtin Eva Rossberger.

Einen ersten Schritt der Gemeinde können Einheimische und Urlauber schon jetzt jeden Freitag sehen: Der Wochenmarkt wurde vom Hüttenparkplatz auf den Marktplatz umgesiedelt. “Und wir haben schon zwei neue Standlleute gewonnen”, freut sich Eva Rossberger. Von ganz anderem Gewicht soll ein weiterer Schachzug des Marktes sein: Die Tourist-Info soll vom Rathaus in ein noch zu bestimmendes Gebäude am Marktplatz umziehen.

Besonderen Eindruck gemacht hat bei der Exkursion die “Bauhütte” in Perlesreut, wie Marktrat Max Josef Kuchler erzählt. Ein denkmalgeschütztes Haus nimmt Bücherei und Veranstaltungsraum auf – und im hinteren Teil sogar einige Wohnungen. Das müsse auch für Bodenmais das Ziel sein, meint Tremml: “Den Marktplatz nur mit Veranstaltungen zu beleben ist zu wenig – die Kombination aus Gastronomie, Einrichtungen für die Einheimischen, Wohnungen, Geschäften, Büros würde dauerhaft Belebung bringen.”

Aufenthaltsqualität gegen Parkplätze – hier verfolgt die Strategiegruppe einen klaren Kurs. Am Grundkonzept der Innenortssanierung von Anfang der 90er wird nicht geschraubt, das den Platz ganz überwiegend den Fußgängern übergab. Umso wichtiger ist den Strategen der Großparkplatz an der Schule. Er liegt in unmittelbarer Nähe, allerdings ist er bisher nur über eine lange Treppe mit dem Marktplatz verbunden. Hier hat die Gruppe die Idee eines Parkdecks statt des jetzigen Schotterplatzes ausgearbeitet, um die Zahl und den Komfort der Parkplätze zu erhöhen. Das ganze in Verbindung mit einem barrierefreien Zugang zum Marktplatz. Schon vorher sollen die Parkgebühren ausgesetzt werden.

Jeden Freitag sitzen die Strategen am Stammtisch. Die wenig ansehnliche Treppenanlage hat in einem Projekt der Grund- und Mittelschule einen farbenfrohen Anstrich erhalten– das soll auch den Weg hinauf in die gute Stube des Ortes für Ortsfremde gleich ins Auge springen lassen. “Und wir von der Gemeinde haben eine Hecke zurückgeschnitten, die den Zugang zur Treppe ungünstig verdeckt hat”, berichtet Karl Kollmaier. Auf einen weiteren Schwachpunkt im Ortszentrum konnten sich alle in der Strategiegruppe schnell einigen: Es hapert an allen Ecken und Enden an der Beleuchtung.

Wer übrigens ganz unkompliziert mit den Akteuren aus der Strategiegruppe ins Gespräch kommen will, Ideen weitergeben oder Kritik äußern will, der kann das leicht mit einem Einkauf beim Wochenmarkt verbinden. Jeden Freitagvormittag trifft sich der Stammtisch der Engagierten beim Kirchenwirt. − jf